Fischer und Fischer SN-570  Produktbesprechung - Michael Imhof

Schwarz, schön und edel !

Als wir gegen Ende August den neuesten Lautsprecher von Thomas Fischer in unser Geschäft gebracht und aufgestellt hatten, war uns, nicht zuletzt wegen des sommerlichen Wetters, ganz schön warm. Die SN-570, so der Name der schönen Sauerländerin, wiegt stattliche 129 kg, ohne Verpackung versteht sich. Für das hohe Gewicht sorgt das Gehäusematerial aus sauerländischem Naturschiefer, aus dem Thomas Fischer alle seine „Lautsprecherkreationen“ baut. Naturschiefer hat durch seine Schichtstruktur, ganz anders als z.B. Granit oder Marmor eine hohe innere Dämpfung und eignet sich somit bestens für Lautsprechergehäuse, weil bei Schiefer nichts außer den Chassis und der eingeschlossenen Luftsäule schwingt. Ganz so will es die Theorie beim idealen Lautsprecher. Schließlich sollen die darauf optimierten Chassis Musik machen und nicht das Gehäuse. Ein Lautsprecher ist eben kein Musikinstrument, bei dem das Gehäuse Musik machen soll, auch wenn das findige Hersteller immer wieder behaupten. Dieses Missverständnis führt zu Lautsprechergehäusen, die so gebaut sind wie ein Instrumentenkörper, was im Einzelfall dennoch relativ brauchbare Ergebnisse zeigen kann.

Führt man sich aber vor Augen, daß ein Lautsprecher wie eine Geige, wie ein Klavier, wie ein Blechblasinstrument und wie eine menschliche Stimme klingen soll, dann fragt man sich welches Gehäusematerial dann theoretisch der Idealfall wäre wenn es den Klang mitbestimmen soll? Seit ewigen Zeiten gilt: Das Lautsprechergehäuse soll so wenig wie möglich schwingen und das führt uns wieder zum Schiefer zurück. Da schwingt und klingelt nichts, da ist absolute Stille angesagt.

Griff man bisher bei Fischer & Fischer auf die nobelsten Chassis von Dynaudio, Seas und Scan-Speak zurück, so reichte dies den Entwicklern Fischer und Mudra diesmal nicht mehr aus. Um noch bessere Lautsprecher bauen zu können, mussten neben einem bereits bestehenden System, optimal dazu passende Neue, nach ihren Vorstellungen entwickelte Chassis her.

Erste Wahl, war der Air Motion Transformer, was wenig wundert. So gut wie jeder HiFi-Freak sollte irgendwann einmal von diesen Schallwandlern gehört haben, sonst hätte er etwas versäumt. Diese ursprünglich 1969 von Oskar Heil entwickelten und patentierten Bändchenlautsprecher weisen den Hauptvorzug eines Bändchens, nämlich geringste Masse auf, ohne jedoch deren Hauptnachteil wie zu geringer erreichbarer Schalldruck, in Kauf nehmen zu müssen. Klassische Bändchenkonstruktionen in Einheit mit dynamischen Treibern leiden meist darunter, daß die Bändchen gegenüber den anderen Chassis bei zunehmender Lautsstärke „zurück bleiben“ und im Verhältnis zu den anderen Chassis leiser werden und somit die tonale Einheit verloren geht.

Der Nachteil des „alten“ Heil-Air-Motion-Transformers war die hohe notwendige Baugröße. Die Reduktion auf die heutigen Maße bei modernen AMT Konstruktionen wurde erreicht durch den Einsatz neuer Magnetmaterialien wie Neodym und Folien aus z.B. Kapton. Moderne Air- Motion-Transformer zeichnen sich auf Grund der sehr kleinen bewegten Masse durch exzellentes Impulsverhalten und hohen Wirkungsgrad, bei sehr hohem möglichem Schalldruck aus und sind damit einer der Schallwandler die dem theoretischen Ideal am nächsten kommen.

Thomas Fischer hat sich bei Mundorf einen speziell für seine Bedürfnisse abgestimmten AMT bauen lassen. Damit hätten wir jetzt schon zwei ideale Teile, das Gehäuse und den „Custom Made“ AMT Hochtöner.

Genau hier muss ich einen persönlichen Ausflug in meine HiFi-Geschichte machen. Seit fast 40 Jahren bin ich hinter einem Lautsprecher mit Air-Motion-Transformer her. Für das Ziel einen Lautsprecher mit zum AMT passenden dynamischen Chassis zu hören, habe im Laufe der Jahrzehnte tausende Kilometer auf der Autobahn verbracht. Ich habe klassische Heil-AMT und moderne AMT offen verbaut, im Gehäuse verbaut, mit allen möglichen dynamischen Treibern aller möglichen High-End Hersteller, bis hin in Paarung mit aktuellen Thiel-Keramik-Chassis gehört und war immer nicht richtig zufrieden. Der AMT war irgendwie immer schneller, zu schnell für die anderen Treiber. Subjektiv stimmte für mich das Timing bei keinem Konzept. Das spielte nie aus einem Guss und so kam ich in 40 Jahren nie zu einem Lautsprecher mit Air-Motion-Transformer obwohl ich immer „heiß“ darauf war.

Bis jetzt, als vor wenigen Wochen Thomas Fischer mit seiner Neuentwicklung, die er mir schon vergangenes Jahr angekündigt hatte, auf der Matte stand. Recht begeistert war ich schon bei der Ankündigung einer Lautsprecherentwicklung mit dem AMT Treiber. Thomas Fischer rannte damit bei mir offene Türen ein. Aber da war auch meine Skepsis aus 40 Jahren Erfahrung. Was ich nicht wusste, war wie konsequent man bei Fischer & Fischer auf die Lösung des Problems hinarbeiten würde.

Die Problematik mit den am Markt vorhanden Treibern war auch bei den Entwicklern der neuen SN-570 bekannt. Es ist die Crux kleiner Lautsprecherschmieden, dass sie aus Kostengründen meist nicht auf Eigenentwicklungen zugreifen können. Thomas Fischer und seine Mannschaft sind da den einzig möglichen Weg gegangen. Er hat seine Reserven mobilisiert und hat sich bei einem deutschen Chassishersteller genau für die Gehäusegröße, das Material Schiefer und vor allem zum Air-Motion-Transformer passende, ultraschnelle Konuslautsprecher entwickeln lassen. Damit war der Weg geebnet um einen Volltreffer landen zu können.

Wir haben es bei der SN-570 mit der heute extrem seltenen Spezies eines reinrassig deutschen Produkts zu tun und das bis hin zu den inneren Werten, wie den besten Mundorf Kondensatoren und den besten Flachdrahtspulen die der deutsche Markt bietet. Dazu kommt der sauerländische Naturschiefer, der eine höhere Dichte und Dämpfung als z.B. das billige Material aus China in einigen Billig-Nachbauten besitzt.

Genau hier muss ich – ich kann nicht anders, etwas los werden. Die Dämpfung und damit auch der Klang eines Lautsprechersystems hängen wie oben schon angesprochen stark vom eingesetzten Gehäusematerial ab. Wenn da Hersteller, dem Kunden zu gefallen, wahlweise Schiefer, Marmor, Granit usw. anbieten, ohne die eingesetzte Technik, das heißt Weiche, Treiber und Abstimmung jeweils auf das wechselnde Gehäusematerial neu zu entwickeln, machen sich diese nach meiner Ansicht vom technischen Standpunkt aus gesehen unglaubhaft. Kaufmännisch mag der „optische Bauchladen“ ja geschickt sein, technisch ist das bestenfalls zweite Wahl.

Aber nun zurück zum Thema. Was ist bei der SN-570 heraus gekommen? Erstmal ein relativ großer und vor allem schwerer Lautsprecher. Die SN-570 sieht trotzdem sie wirklich nicht klein ist, mit ihren optimalen Proportionen und mit der, die Chassis perfekt umschließenden, aus dem vollen gefrästen Aluminium Frontplatte betörend schön aus. Auch auf kleine Details wie rhodinierte Bi-Wiring Anschlussklemmen und phasen- und impedanzkorrigierte Filter wurde penibel geachtet. Der Wirkungsgrad liegt bei sehr guten 90dB /1W/1m. Der Frequenzgang ist mit 28 Hz bis bis 27 kHz sehr breit. Die Bestückung je Lautsprecher ist: 1 x Fischer & Fischer AMT; 2x 180mm Konuslautsprecher im Mittelton in D´ Appolito Anordnung und 2x220mm Basslautsprecher links und rechts seitlich. Die große Membranfläche äußert sich im maximal erreichbaren Schalldruck von 112 dB.

Wie verhält sich der Lautsprecher im Alltag? Nach der Einspielphase von 3 x 24 Stunden haben wir uns ans erste Hören gemacht. Eine der weltweit besten Vor-Endstufenkombinationen, die Accuphase C-3800 Vorstufe und die Class A Endstufe Accuphase A-65 sowie das entsprechende Accuphase Frontend sollten dem hohen Anspruch mit dem die Fischer & Fischer SN-570 angetreten ist gerecht werden.

Sofort fiel auf: Die SN-570 braucht erfreulich wenig Leistung. Bei gehobener Zimmerlautstärke reichten 25 Watt pro Kanal auch bei großen Basspegeln reichlich aus. Im Normalbetrieb „dümpelte“ die Wattanzeige meist bei 4-8 Watt. Das ist schon erstaunlich, wenn man daran denkt, daß 5 Chassis je Lautsprecher zu treiben sind. Die Wirkungsgradangabe ist also nicht zu hoch gegriffen und der Impedanzverlauf sollte ausgesprochen gutmütig sein. Die Accuphase A-65 ist vielleicht der einzige Verstärker der die angeschlossene Last, das heißt den Lautsprecher in die Leistungsmessung einbezieht. Ein Tester hat geschrieben: „am A-65 kann man seine Messgeräte eichen“, das sehen wir ebenso. Durch das gutmütige Verhalten der SN-570 ist der Weg für den Einsatz von Class-A Verstärkern und Röhrengeräten sowie für kleine aber klanglich feine Verstärker offen und das erfreut das Herz und den Geldbeutel eines jeden Hifi-Fans. Wir haben die SN-570 am Vollverstärker Aurum A3 in der Preisklasse 2000,- Euro angeschlossen. Auch dieser Verstärker ist problemlos in der Lage, diesen Ausnahmewandler zu treiben. Freilich quittiert die SN-570, wie zu erwarten, penibel jede Verbesserung der Quelle und der angeschlossenen Elektronik mit noch besserem Klang. Wäre das anders, wäre etwas faul.

Die SN-570 öffnet die Bühne sehr weit in die Breite und die Tiefe. Jedes Detail erhält genau seinen Platz zugewiesen. Die Bühne ist plastisch greifbar, die Abbildung liegt räumlich etwas höher als bei kleinen Lautsprechern und wird wirklich zur Bühne, was wohl in der Natur großer Lautsprecher liegt. Der AMT Treiber erfüllt alle meine hochgesteckten Erwartungen und spielt dynamisch, wenn das Musikmaterial es erfordert auch brachial, aber wird dabei niemals hart. Gute Elektronik und gute Anlagen zeichnen sich durch Auflösung bis in allerfeinste Strukturen bei gleichzeitiger Abwesenheit von Härte aus. Genauso geht dieser Lautsprecher an dem Ultra-High-End Accuphase Frontend zu Werke. Mit Seidigkeit und Luft zwischen den Tönen, ohne jede Aufdringlichkeit spielt die SN-570 jede Art von Musik. Man muss eine kleine Weile Zeit mitbringen um das Fehlen auch von winzigsten Verzerrungen richtig zu verstehen. Unerfahrenere Hörer neigen häufig dazu feine Verzerrungen als ein Plus an Klang zu empfinden und vermissen diesen Klirr wenn er nicht wie gewohnt vorhanden ist.

Die SN-570 erschließt sich dem erfahrenen Hörer als ein Musterbeispiel an Sauberkeit und Gutartigkeit und Transparenz ohne diese Klirranteile. Dies schaffen nur eine handvoll Lautsprecher, die ich in 40 Jahren hören durfte. Die Fischer & Fischer SN-570 gehört eindeutig zu dieser Kategorie.

Mit der Fischer & Fischer SN-570 kann man stundelang komplett stressfrei hören und merkt mit der Zeit immer deutlicher wie unendlich viele Details dieser Lautsprecher darzustellen in der Lage ist. An einigen Stellen unserer Testscheiben überraschte die SN-570 mit einem bisher selten wahrgenommenen Auflösungsvermögen. Bei einigen Stellen auf Clapton Unplugged, besonders bei Titel 13 hört man beim Klatschen des Publikums jede einzelne Hand und das auf einem fest umrissenen Platz. Hut ab, Herr Fischer, so baut man großes HiFi.

Der Tieftonbereich der SN-570 wirkt niemals zu dick und das ist noch ein riesiges Plus. Man kann sich die SN-570 auch in kleineren schwierigen Räumen und recht wandnah vorstellen. Die Gefahr, dass der Bass zu dick wird ist extrem gering. Das heißt, daß der Bass zwar sehr tief geht, aber dabei sehr schnell und immer konturiert bleibt. Das war wohl eine der notwendigen Vorraussetzungen beim Einsatz des Air-Motion-Transformers: Ultraschnelle Chassis um das stimmige Timing hin zu bekommen, das ich bisher immer vermisst hatte.

Thomas Fischer und seine Crew zeigen mit diesem Lautsprecher, welche Leistung auch einem kleinen Hersteller möglich ist, wenn er so konsequent alle Parameter selbst bestimmen kann und nicht gezwungen ist auf Stangenware bei den Chassis zurück zu greifen. Der hohe Einsatz, den die kleine Lautsprecherschmiede Fischer & Fischer hier gebracht hat muss einfach belohnt werden.

Jedem HiFi-Enthusiasten der das nötige Kleingeld hat, kann ich nur ans Herz legen diesen Lautsprecher in seine engere Wahl einzubeziehen, wenn eine Anschaffung ins Haus steht.

Der Lautsprecher hat das Zeug zu einem Klassiker. Man kann sich als Besitzer zurück lehnen, Musik hören und muss nicht mehr darüber nachdenken was man da noch besser machen könnte.

Investieren Sie in die Elektronik so viel Sie können und die SN-570 wird Ihnen das mit noch mehr Klang danken. Und das Beste zum Schluss ist, dass ich nach 40 Jahren Suche endlich meinen Lautsprecher mit Air-Motion-Transformer gefunden habe.