Brinkmann Plattenspieler Taurus


Text Michael Imhof:

Ob die Entscheidung ein Brinkmann Taurus Laufwerk mit dem Röhrennetzteil Rönt und Tonarm 12.1 sowie Tonabnehmer EMT JSD Pure Black in die Demo zu nehmen wirtschaftlich sinnvoll war oder nicht, wird die Zukunft zeigen. Ich wollte schon immer ein Brinkmann Laufwerk, weil es weder ästhetisch noch klanglich Alternativen für mich gab, seit ich einen Brinkmann-HiFi Balance öfter sehen und hören durfte.

Das ist mittlerweile schon einige Jahrzehnte her und so habe ich mich jetzt nach langem Überlegen dazu entschlossen das Geld in die Hand zu nehmen und endlich ein Brinkmann Laufwerk zu kaufen. Das Gerät war relativ schnell ausgepackt, aufgestellt und das System in den Basiswerten perfekt eingestellt. Allerdings habe ich mit penibler Einstellung des Tonabnehmers und Entkopplung des Laufwerks vom Untergrund letztlich doch 8 Stunden verbracht. Es gab dabei ein paar kleinere Hürden zu nehmen. Bei einer Auflagekraft an der Obergrenze des Systems konnte ich die perfekte Antiskatingkraft erstmal nicht einstellen.

Nachdem ich die Kontermutter der Antiskatingeinrichtung entfernt hatte, war es dann doch möglich. Ich habe eine etwas schmalere Kontermutter besorgt und damit war dann alles perfekt. Bei der Einstellung der Antiskatingkraft kommt einem zu Gute, daß man den Brinkmann 12.1 Tonarm bei laufender Testplatte und extrem feinfühlig justieren kann. Das ist wirklich toll gelöst.Die Justage des Azimuts gelingt beim Brinkmann Arm, wie bei vielen anderen Armen mit den weitverbreiteten SME Headshells eher als ein Zufallsergebnis. Nach vielen Versuchen mit dem „Fozgometer“ als Messgerät habe ich es dann (rein zufällig) doch geschafft den korrekten Wert zu finden und die Headshell ohne Verrutschen zu fixieren. Trotzdem ist diese „Lösung“ mit Verdrehen der Headshell eine Zumutung, die mich seit vielen Jahren ärgert. Da wünschte ich mir eine andere Lösung. Als Endergebnis der langen Justage habe ich mit dem EMT JSD Pure Black 80 Mikrometer Seitenschrift blitzsauber hinbekommen. Das ist ein Ergebnis welches mehr als beachtenswert ist und welches man in hohem Maß dem sehr guten Brinkmann 12.1 Tonarm zuschreiben darf. Eben habe ich im Internet zu finden versucht, wo EMT die Grenze der Abtastfähigkeit für das JSD Pure Black definiert, habe aber keinen Wert gefunden. Aber es soll egal sein. Messtechnisch sind 80 Mikrometer möglich.

Auf meinem HiFi-Rack liegt als Basis für einen Plattenspieler eine Schieferplatte von 45x60cm und 6cm Dicke. Darauf platzierte ich den Taurus samt Rönt und natürlich mit der zugehörigen Granitplatte unter dem Netzteil Rönt. Als Phono Vorverstärker dient bei mir im Studio ein Vorverstärker der Marke „The Difference“, der genauso gut ist, wie er auch unbekant ist (auf Anfrage gibt es mehr Infos und auch ein Muster Leihgerät). Die Vor- und Endverstärkung übernahmen ein Accuphase C-2450 Vorverstärker an einer Accuphase ClassA Endstufe A-75. Der Abhörlautsprecher war ein Fischer & Fischer SN-570 (mit Jensen Ölpapierkondensatoren) und zusätzlich ein MJ Master Class Windsor Subwoofer. Alles in allem also eine mehr als passable Kette um eine Aussage über die Qualität einer Klangquelle treffen zu können. Dazu kommt erleichternd, daß ich diese Kombination seit Jahren kenne. Schon die ersten Töne mit dem Brinkmann Taurus waren schier umwerfend gut! Ich habe viel erwartet, aber das was ich hörte übertraf meine kühnsten Vorstellungen. Der Taurus in dieser Ausstattungsvariante und mit dem EMT JSD Pure Black ist ganz einfach gesagt, die beste Quelle die ich in 30 Jahren in meinem Studio hatte. Weder in der Dynamik, noch in der Klarheit und Auflösung, noch in der räumlichen Darstellung ist irgend etwas was ich bisher gehört habe an diese Kombination herangekommen. Ich wurde wieder einmal daran erinnert wie extrem gut eine Schallplatte klingen kann. Im musikalischen Fluß, in der Dynamik und in der Feinzeichnung ist die Vinylplatte tatsächlich besser als jede digitale Quelle die ich in den letzten Jahren gehört habe. Allerdings muss ich sagen, daß der Einstieg in diese Klangklasse einen wirklich hohen Preis hat und nur für gut Betuchte erreichbar ist.

Ich habe schon viele, ebenfalls nicht billige Laufwerk-Tonarm – Tonabnehmerkombinationen bis ca. 15.000,- Euro zusammengestellt und justiert, war aber bisher immer noch recht weit von diesem klanglichen Ergebnis entfernt. Als kleiner Wehrmutstropfen war im Hintergrund immer ein sehr leises, aber in der Passagen zwischen den Musikstücken wahrnehmbares Brummen vorhanden. Klanglich war es aber trotzdem derart faszinierend, daß ich erstmal einige meine schwarzen Scheiben durchgehört habe. Es gab tatsächlich Informationen auf den mir bestens bekannten LPs, die ich bisher so niemals gehört hatte. An den kommenden Tagen habe ich mir die Zeit genommen nach der Ursache des winzigen Brumms zu suchen. Ich hatte das Netzteil Rönt mit der zugehörigen Granitplatte auf die gleiche Schieferplatte wie den Taurus platziert. Da schlich sich doch tatsächlich etwas von den feinen Schwingungen die das „Rönt“ erzeugt, die weder fühl-, noch hörbar sind, über die gemeinsame Basis in den Taurus ein. Also habe ich das Rönt mit Sorbothane Dämpfern entkoppelt und es kehrte in dieser Hinsicht Totenstille ein.

Nachdem ich nun aber deutlich darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der Taurus sehr feinfühlig auf den Untergrund reagiert, habe ich mit Klopfen auf die Schieferplatte und mein Rack ebenfalls mechanische Einwirkungen festgestellt. Das ist ja nun bei Analoglaufwerken keine grundlegend neue Erkenntnis. Also habe ich den Taurus zusätzlich mit Sorbothane Dämpfern hoher Nachgiebigkeit von der Schieferplatte entkoppelt, was immer etwas fummelig ist, weil der Plattenspieler ja auch waagrecht stehen soll. Nun muss man schon wirklich kräftig auf die Basisplatte klopfen bevor auch nur das geringste beim Taurus ankommt. So ist jetzt im Moment der Stand. Ich werde noch nach einer perfekteren Lösung suchen, wobei es dabei eher um die Optik geht, als um die klangliche Performance, weil ich nicht denke, daß von der Entkoppelung noch viel mehr zu holen sein wird. Letzlich haben diese Maßnahmen nochmals eine kleine Steigerung der Sauberkeit bei der Wiedergabe gebracht. Einer meiner langjährigen Kunden mit sehr viel Hörerfahrung hat spontan gesagt: „So gut hat es bei Dir in all den Jahren noch niemals geklungen“. Ich bin der gleichen Meinung und komme auf die Frage am Anfang des Texts zurück: Ob es wirtschaftlich sinnvoll war eine so hohe Investiton in ein Laufwerk zu machen werden meine Kunden in der Zukunft zeigen.

Extrem sinnvoll war die Investition in den Brinkmann Taurus aber auf jeden Fall und mit jedem Euro. Ganz einfach deswegen, weil ich so viel Spaß beim Musikhören habe, wie seit langem nicht mehr. Man sucht auch als Händler, auf jeden Fall wenn die Leidenschaft noch da ist, nach klanglichem Fortschritt. Leider tritt man dabei oft auf der Stelle oder trippelt nach hier und da ohne wirklich grundlegende Erkenntnis und ist machmal leicht frustriert. Jahrelang habe ich neue Lautsprecher, noch bessere Verstärker, noch bessere digitale Quellen gesucht und wurde nun durch die Erkenntnis belehrt, daß der größte Fortschritt auf meiner Suche nach perfektem Klang ein „technischer Rückschritt“ ist. Viele mögen von mir die Aussage kennen, daß eine gute digitale Quelle klanglich mit einem guten analogen Laufwerk vergleichbar. ist. Ich widerrufe und bitte um Entschuldigung dafür, daß ich so viele Jahre brauchte um zu einer anderen Erkenntnis zu gelangen! Ich höre seit Wochen nur noch meine Platten durch und der klangliche Eindruck hat sich verfestigt. Den Maßstab setzt im Moment in meinem Studio die gute alte Analogtechnik. .

Eines muss ich aber noch loswerden: Daß ein Tonarm in der Preisklasse 5000,- Euro, wie der Brinkmann 12.1 vom Lieferanten ohne Tonarmanschlußkabel geliefert wird gehört sich einfach nicht. Also gibt es dieses Kabel beim Kauf von mir als Zubehör.