Accuphase E-800 Vollverstärker Testbericht - Michael Imhof

Mittlerweile habe ich nun häufig mit dem neuen großen Accuphase Class-A Vollverstärker E-800 gearbeitet. Ich sage bewußt arbeiten, weil es für mich erheblichen Aufwand bedeutet ein Gerät dieser Klasse mit anderen Geräten zu vergleichen und die Unterschiede heraus zu hören. Die meisten unter Ihnen wissen, daß ich die Class-A Verstärker klanglich bevorzuge und somit trifft der E-800 bei mir natürlich auf eine sehr hohe Erwartung. Man kann mit Fug und Recht sagen, daß Accuphase noch nie einen besser klingenden Vollverstärker gebaut hat. Ich habe in den letzten Tagen die Kombination aus dem Accuphase Vorverstärker C-2450 an der Endstufe A-75 gehört und bin gehörmäßig darauf „eingeschossen“. Gestern Abend habe ich die Vor- Endverstärker Kombination gehört und habe danach den E-800 über Nacht warmspielen lassen. Heute morgen habe ich den E-800 gehört und habe klanglich gar nichts vermisst. Zum Vergleich habe ich dann direkt auf die Vor- Endkombination umgeklemmt. Im direkten Anschluß ließen sich dann doch Unterschiede zu Gunsten der doppelt so teuren Kombination wahrnehmen.

Die Vor-Endkombination aus C-2450 und A-75 zeichnet die Aura um Stimmen und Instrumente räumlich größer. Dabei werden die Konturen innerhalb der Stimmen und Töne noch plastischer herausgearbeitet. Die Anordnung des Geschehens auf der Klangbühne ist dabei beim Accuphase E-800 genauso perfekt wie bei der großen Kombi. Auch der klangliche Fluß, die Abwesenheit von jeglicher Härte, die Klarheit und Räumlichkeit unterscheiden sich nur in Nuancen von der Vor- Endkombination. Es sind jedoch genaus diese feinen Unterschiede in welchen sich High-End definiert und zu unterscheiden vermag. Insgesamt ist der E-800 vom Preis-Leistungsverhältnis wohl nicht zu schlagen. Hier im Studio kann ich die Lautsprecher Fischer & Fischer SN-470, das ist das Modell mit 89dB Wirkungsgrad, entweder mit dem Accuphase Class A/B Vollverstärker E-480 (260W an 4Ohm) oder mit dem Class-A E-800 (100W an 4 Ohm) betreiben. Der E-650 Class A Vollverstärker scheidet wegen etwas zu geringer Leistung (60W an 4 Ohm) an diesem Lautsprecher aus und lässt dem stärkeren E-480 deutlich den klanglichen Vortritt.

Der Accuphase E-800 setzt dem E-480 wiederum klar ein Veto entgegen, so daß sich der kleinere Bruder E-480 deutlich geschlagen geben muss. Diese Aussage trifft an allen Lautsprechern, die in der Lage sind die klanglichen Unterschiede darzustellen zu. Ich sage ganz klar: Die klangliche Reihenfolge hängt nicht nur von den Verstärkern, sondern auch vom angeschlossenen Lautsprecher ab. Je nach Lautsprecher hat mal der E-480 und mal der E-650 die Nase vorn. Beim E-800 dagegen ist der Abstand zu den beiden kleineren Brüdern so groß, daß die Diskussion darüber, welcher besser ist, sichkomplett erübrigt.

Accuphase E-800 Verstärker


Der E-800 setzt den Meßlatte so hoch, daß er sich klanglich an die Weltspitze der Vollverstärker setzt. Wer Accuphase wirklich kennt, weiß daß diese Marke nicht nur in klanglicher Hinsicht den Maßstab am Weltmarkt setzt.

Wo die meisten Hersteller noch mit Potis arbeiten, setzt Accuphase schon seit langer Zeit mit der revolutionären AAVA Schaltung auf Klangreinheit bei der Lautstärkeregelung. Insgesamt vereint der E-800 ganz klar die klanglichen Tugenden auf sich, die bei Accuphase bisher den Vor- Endverstärker Kombinationen vorenthalten waren. Interessant dabei ist, daß der E-800 die gleiche Endstufenkonfiguration wie der A-48 hat. Es sind die gleichen Transistoren in der gleichen Anzahl vorhanden.

Etliche von Ihnen werden schon von mir gehört haben, daß ich die Kombination von Vollverstärkern und zusätzlichen Endstufen nicht gleicher Bauart, als Bi-Amp Variante nicht empfehle. Auch wenn die Verstärkungsfaktoren passen habe ich zu oft eine nicht passende Tonalität bemängelt. Ich habe die Leistungsverstärker Module im obigen Bild links der E-800 und rechts des A-48 gegenüber gestellt.

Accuphase Leistungsverstärker Module A48 und E800

Das Leistungsverstärker Modul des A-48 findet sich mit der gleichen Art und Anzahl der Transistoren auch im E-800 wieder.

Somit liegt es nah, daß man beiden Verstärkern, sowohl dem Accuphase E-800, als auch dem A-48 gleiche Tonalität und technische Signalverarbeitung unterstellen könnte. Da bot sich für mich, der nie genug Klang bekommen kann an, den A-48 an den Vorverstärker Ausgang des E-800 zu hängen und als Bi-Amp Kombination zu fahren.

Dabei habe ich den A-48 für den Mittel-Hochtonzweig und den E-800 für den Bass genommen (man könnte es auch nochmal umgekehrt probieren, dazu bin ich noch nicht gekommen). Es war eine eher subjektive Entscheidung es so herum zu probieren.

Im Ergebnis: Ein ganz klares Ja! Dies ist die erste Kombination von Vollverstärker mit zusätzlicher Endstufe bei welcher ich in jedem Fall grünes Licht gebe. Im Bi-Amp Betrieb mit der Endstufe A-48 spielt das Ganze in allen Kategorien nochmals mindestens eine Klangklasse höher. Vor allem das zeitliche und tonale Zusammenspiel dieser Kombination ist absolut perfekt. Somit bietet sich für den E-800 sogar eine Upgrade Möglichkeit an, die ich so erstmal nicht erwartet hätte.

Übrigens haben meine Lieblingsverstärer von Accuphase, namentlich der A-48, der E-800 und der A-75 alle die gleichen Transistoren von ON Semiconductor. Ich mag mich allerdings nicht dazu versteigen alleine den Transistoren den herausragenden Klang dieser Accuphase Verstärker zuzuschreiben. Wer Interesse hat, kann hier die Liste der Transistor Bestückung bei den Accuphase Verstärkern (Stand Februar 2020) finden. Ich habe mir die Mühe gemacht diese Liste zu erstellen, weil „draußen“ wildeste Vermutungen und Unwissenheit über dieses Thema grassiert.

Überblick über die von Accuphase eingesetzten Transistoren als PDF