Accuphase E-5000 Vollverstärker Hörbericht - Michael Imhof

Erst kürzlich habe ich, mehr zufällig und ungeplant, den Accuphase E-5000 Vollverstärker gehört. Ich war bei P.I.A ein Gerät abholen und da stand der E-5000 warmgelaufen und angeschlossen an einem Paar sehr guter Lautsprecher zum Testhören (diese Hörmöglichkeit steht nur zeitweise und ausschließlich den Accuphase Vertragshändlern der P.I.A. GmbH zur Verfügung!). Winfried Andres, lang gedienter Accuphase Kämpfer an vorderster Front, lud mich ein kurz reinzuhören und mir das "keinesfalls entgehen zu lassen". Nun, ich blieb länger sitzen, als das von mir normalerweise zu erwarten ist.

Accuphase E-480 Ausgangsverstärker

Die Lautsprecher standen in gerader Aufstellung zum Hörer, also nicht angewinkelt und sehr dicht zusammen, ich schätze in 2m Abstand aufgestellt, was mit dem eingesetzten Lautsprecher zu tun hatte. Der Hörplatz befand sich im gleichseitigen Dreieck, also eine ideale Abhörposition für Monitore. Nach einigen Musikstücken mit verschiedensten Stilrichtungen, die frappierend offen und transparent sowie so dynamisch spielten, wie selten gehört und dabei extrem weite Bühnen aufbauten, beschloß ich die Roger Waters "Amused to Death" in den bereitstehenden Accuphase Player einzulegen. Diese Scheibe höre ich nicht wegen der perfekten Tonalität, denn davon ist sie weit entfernt, sondern wegen der perfekten räumlichen Darstellung. Die Aufnahme wurde im Q-Sound Verfahren aufgenommen und die Bühne erstreckt sich bis weit in die seitliche Position, ja sogar bis hinter den Hörer, wenn die Anlage in der Lage ist dies wiederzugeben Bei den allerbesten Anlagen kann man sogar über seinem Kopf Töne wahrnehmen, so daß man in eine Klangwolke eingehüllt wird. Besonders ist dieser Effekt bei einem Stück wahrzunehmen, bei welchem ein Gewitter über den Horizont zieht.

Accuphase E-650 Ausgangsverstärker

Das Klanggeschehen ist dann tatsächlich dreidimensional. Kurzum: Der Accuphase E-5000 zeigte in diesem Setup ausschließlich derart positive Klangeigenschaften und zauberte so perfekte Räume, daß ich sehr beeindruckt nach Hause fuhr. Eine sofortige Beschreibung des gehörten und einen Hörbericht wollte ich aber noch nicht verfassen, auf jeden Fall nicht bevor ich den Verstärker in meinen eigenen Räumen gehört haben würde. Nun ist der E-480 der erste Class A/B Verstärker der mir in dieser Hinsicht uneingeschränkt gefällt und den ich mir auch zu Hause hinstellen würde. Das ist ohne Überschwang das größte Lob, das ein Verstärker von mir bekommen kann.

Was ich aber gemacht habe, als ich von der P.I.A zurückkam, ist die Monitoraufstellung wieder einmal auszuprobieren. Hierzu muss ich sagen, daß ich von der Spendor 75/1 (1) komme, was allerdings schon 45 Jahre zurückliegen dürfte. Diese Lautsprecher habe ich immer im Nahfeld gehört. Ein idealer Lautsprecher für Nahfeld ist die Neat Ultimatum XLS (Paar ca. 7500,-). Kaum Einer wird jemals etwas von diesem Hersteller gehört haben, aber ich liebe diesen Lautsprecher. Es ist eine Diva, die viel Sorgfalt bei der Aufstellung und der Elektronik benötigt. Wer das aber bewältigt, hat einen Lautsprecher, der mit den weltbesten Lautsprechern mithalten kann und sich auch gegen die meisten Boliden durchsetzt. Deswegen habe ich mir ein Paar privat zugelegt. Neulich hatte ich einen Tonmeister (schon in Rente) im Studio. Er war nur als Gast mit einem Kunden mitgekommen.

Nach einer Höression mit diesem Lautsprecher hat er gesagt: Ich bin schwer beeindruckt. "So perfekt habe ich in all den Jahren in meinem Beruf niemals gehört." 

Nun steht der Accuphase E-5000 seit Freitag 28.01.22 in meinem Studio und durfte (musste) sich an meinen oben beschriebenen, wirkungsgradschwachen Lautsprechern, der Neat Ultimatum XLS (84dB/W/m) jetzt volle 6 Tage rund um die Uhr einspielen. Vorher Ablauf einer Minimal-Einspielzeit von 100 Stunden höre ich mir grundsätzlich gar nichts an.

Da der Accuphase E-5000 mit einem Dämpfungsfaktor 1000 und hoher Wattleistung daherkommt, habe ich die Neat Ultimatum XLS angeschlossen gelassen. Dieser Lautsprecher "frisst" schon ein paar Watt um richtig auf Touren zu kommen. Aufstellung: Wandfern mit 2m Distanz zwischen beiden Lautsprechern und zum Hörer, moderat zum Hörplatz angewinkelt. Dann stellt sich genau der Eindruck ein, den ich damals im November von der P.I.A mitgenommen habe. Worte sind zu dürr um das zu beschreiben, deshalb lasse ich es weitgehend. Auf jeden Fall spielen Orchester auf großer Bühne, druckvoll und mit extremer Dynamik, hochauflösend, dabei bis in die feinsten Details aber unter Abwesenheit jeglicher Härte. Stimmen klingen natürlich musikalisch und alles ist in einem "musikalischen Fluss", ohne störende Artefakte. Man könnte sagen, der Accuphase E-5000 kommt bei Stimmen und den feinsten Tönen auf Samtpfoten, wie eine Katze daher, schlägt aber wenn nötig mit brachialer Kraft zu. An schwierigen Lautsprechern ist der Accuphase E-5000 die allererste Wahl unter den Vollverstärkern aus dem Haus Accuphase. An diesen Lautsprechern macht es wenig Sinn einen Class-A Verstärker zu hören. Trotzdem habe ich vergleichsweise den E-800 Class-A Vollverstärker angeschlossen und es war, wie eigentlich zu erwarten. Wenn man nicht einen Augenblick zuvor den E-5000 gehört hat, fehlt nichts und es klingt immer noch hervorragend. Aber der Class-A spielt da etwas kompakter auf. Es fehlt die letzte Differenzierung, vor allem in den Bässen. Eigentlich habe ich auch erwartet, daß sich der E-800 an diesen Lautsprechern so verhalten würde aber es war weniger auffällig als ich erwartet hätte. Trotzdem würde ich an Lautsprechern mit höhrerem Leistungsbedarf ganz klar den E-5000 bevorzugen.

Im zweiten Durchgang habe ich den Lautsprecher Fischer & Fischer SN-570 auf seinen Aufstellplatz gestellt. Dieser hat ca. 93,6 dB/W/m, ist also das Gegenteil der Neat Ultimatum XLS, was den Leistungsbedarf angeht. Auch an diesem Lautsprecher zeigt der E-5000 seine Natur und die schier endlose Dynamik und Kontrolle. Aber jetzt kommen die Accuphase Class-A Verstärker wieder als Vergleichspartner auf das Spielfeld. Der E-800 bringt einen Hauch mehr "Charme" an diesen wirkungsgradstarken Lautsprechern ins Spiel. Ich habe den Accuphase E-800 in diesem Setup laut und leise, mit verschiedenster Musik, Stimmen, Techno, Jazz und Klassik gehört und bin immer zum Ergebnis gekommen, daß der E-800 an wirkungsgradstarken Lautsprechern der etwas bessere Verstärker ist. Das schälte sich, für mich eher überraschend, auch an komplexer, dichter Musik und höherer Lautstärke heraus. Der Accuphase E-800 Class-A Verstärker klang dann subjekiv geschmeidiger.

Accuphase E-480 Ausgangsverstärker

Dynamik, Druck und Drive, sowie Musikalität macht der E-5000 aber genauso gut. Das geht schon eher in die Frage des Geschmacks des Hörers, als daß es sich nach besser oder schlechter beschreiben ließe. Da ich gern mal etwas lauter höre und dies ganz besonders bei Jazz oder Blues, hätte ich am liebsten beide Verstärker, je nach Tageslaune. Im Studio habe ich natürlich alles in greifbare Nähe und kann das tun. Diesen Vorteil habe ich Ihnen gegenüber lieber Leser und das ist letztlich auch der Grund, weshalb ich kompetente Aussagen zu den Eigenschaften und Unterschieden machen kann und auch in der Demo zeigen kann. Ganz bewusst vergleiche ich die Accuphase Geräte nicht mit irgendwelchen anderen Herstellern, sondern biete Ihnen die Möglichkeit der Orientierung innerhalb des Accuphase Sortiments.

Als High-End Fan bekommt man oft nicht genug. Was ich also häufig mache, ist folgendes: Ich nutze den Accuphase E-800 für den Mittel-Hochtonbereich und schließe den Accuphase A-48 als zweiten Verstärker für den Bassbereich an. In diesem Betriebsmodus mit 2 Stereoendstufen gibt es dann doch einen glasklaren Sieger, nämlich genau diese Kombination aus E-800 und A-48, freilich mit dem Wermutstropfen des doppelten Preises.Also was tun? Einfach wäre es zu sagen, nehmen Sie den E-5000 für alle Lautsprecher unterhalb 89 dB/W/m und den E-800 für alles was im Wirkungsgrad darüber liegt.

Aber so einfach ist es in der Praxis nicht. Da gehen noch Vorlieben, wie die Abhörlautstärke und auch technische Aspekte in die Betrachtung ein. Wenn Sie mir den Impedanzverlauf, den Wirkungsgrad, die Raumgröße und Ihre Hörgewohnheiten an die Hand geben, kann ich mit 95% Wahrscheinlichkeit voraussagen welche Geräte(kombination) am besten für Sie passen wird. Was ich aber als eindeutiges Fazit sagen kann ist, daß man mit der Wahl des Accuphase E-5000 absolut nichts falsch machen kann. Er ist universell und schränkt die Wahl des Lautsprechers nicht ein. 

Er ist klanglich auf einem schier traumhaften Niveau, schafft es Emotionen zu zeigen, hat eine fast grenzenlose Dynamik und zaubert präzise, großartige Raumabbildungen. Wenn man mehr will und eine gut gefülltes Bankkonto hat, kann Accuphase noch wesentlich mehr bieten. Ganz besonders gefällt mir die samtige und trotzdem hochauflösende Wiedergabe im Mittel-Hochtonbereich, sowie die perfekte Kontrolle im Bass. Das macht den Accuphase E-5000 zum perfekten Spielpartner für die neueren Generationen der B&W Lautsprecher, die manchmal etwas "direkt" daherkommen. Genauso profitieren die früheren Modelle der Serie B&W Matrix... von der perfekten Kontrolle und der Stromlieferfähigkeit den neuen Accuphase "Leistungsboliden".

Ganz am Rande erwähnt sei noch, daß der E-5000 auch wirklich groß in seinen Dimensionen ist. Allerdings finde ich, daß das Gerät, von der Front her gesehen, gute Proportionen hat. Darüber hinaus gefallen mir die analogen Anzeigeninstrumente des Accuphase E-5000 sehr gut. Vor die Qual der Wahl gestellt, würde ich den Accuphase E-5000 kaufen, wenn die Lautsprecher das erfordern und den E-800, wenn es möglich ist. Wenn Sie einen E-5000 kaufen möchten, müssen Sie vorbestellen und dann warten, bis Sie an die Reihe kommen. Eine Nachfrage lohnt sich, vielleicht kann ich ein Gerät für einen Barzahler, ohne Inzahlungnahme, ohne Rabatt, ohne Versand und ohne Aufpreis zum Listenpreis ;-) anbieten.