Accuphase Phonoverstärker C-47 und Brinkmann Taurus Laufwerk
mit EMT-Black Tonabnehmer. Ein Testbericht von Michael Imhof

Im Oktober 1982 kam mit großem Werbegeschrei der erste CD-Spieler auf den Markt. Ich habe damals enthusiastisch etliche meiner japanischen Direktschnitte und einen Teil meiner Schallplatten verkauft, um Geld zum Kauf eines CD-Spielers frei zu bekommen. Mein Plattenspieler war ein Thorens TD-126 mit Dynavector DV-507 Tonarm und einem EMT-Tonabnehmer (EMT Tondose in Sonderanfertigung mit v.d. Hul Schliff). Nun, die Ernüchterung war riesig, weil mein Plattenspieler extrem viel besser klang, als jede CD, die ich gekauft hatte.Jetzt im Oktober 2020 und 38 Jahre weiter in der Entwicklung, ist die Digitaltechnik auf einem ganz anderen Niveau angelangt und uneingeschränkt High-End tauglich. Wenn man alles richtig macht und da gehört einiges an Erfahrung und Aufwand dazu, klingt ein High-Resolution Stream (z.B. 24/192) über den gleichen Wander gehört, besser als eine CD direkt abgespielt, während eine SACD klanglich immer noch absolut gleichauf ist.Die Digitaltechnik ist letztlich das absolute Erfolgsmodell und hat ihre Berechtigung in fast allen Preisklassen.

Accuphase E-480 Ausgangsverstärker

Warum mache ich nun diese Einschränkung „in fast allen Preisklassen“?

Seit ich meine ersten Brinkmann Laufwerke gehört habe, wollte ich immer so ein Gerät. Kaufmännisch sinnvoll im Sortiment waren aber Plattenspieler bis maximal 10.000,- Euro, weil ich diese relativ häufig verkaufen konnte. Nach vielen Jahren und mit meiner immer deutlicheren Hinwendung zum absoluten High-End, habe ich mir meinen Wunsch mit dem Kauf eines voll ausgestatteten Brinkmann Taurus erfüllt.

Schon die ersten Töne über dieses Laufwerk gehört, haben die Ahnung aufkommen lassen, daß da noch Potential und Luft nach oben ist. Wenn ich die Nadel auf eine ruhende Platte legte, war ein ganz leichter Brumm hörbar.Ich habe eine Weile gesucht und zu meiner Überraschung das Netzteil als Verursacher gefunden. Obwohl man am Netzteil mechanisch absolut nichts hören oder fühlen kann, übertrug sich eine Schwingung über meine 6cm dicke Schieferbasis auf das Laufwerk. Also habe ich mich auf meinen Restbestand an Sorbothane Dämpfern besonnen und diese zusätzlich zur Entkopplung genutzt. Das Ergebnis war: Absolute Ruhe!

Accuphase E-650 Ausgangsverstärker

Mit einigem Aufwand bei der Nachjustage des Tonabnehmers (ganz besonders beim Azimuth) klang die Kombination sensationell gut und zwar so gut, daß mein digitales „Frontend“ komplett kalt gestellt wurde. Das war seit vielen Jahren der größte klangliche Schritt nach vorne und dies in allen Bereichen in welchen sich Klang beschreiben lässt. Etliche langjährige Kunden haben dies bestätigt.

Letztlich habe ich den Kauf des Brinkmann im Januar 2020 nie bereut, obwohl das Gerät in dieser Ausstattung wirklich kein Sonderangebot ist. Bis in den Oktober hinein habe ich die reine Phonoverstärkung einem Vorverstärker mit Namen „The Difference“ überlassen und war glücklich mit dieser Kombination. Weder ich, noch meine anspruchsvollen Kunden haben je etwas vermisst oder kritisiert. Kaum jemand wird die Marke The Difference kennen, da ich diese niemals beworben habe.

Vor ein paar Tagen habe ich den neuen Accuphase Phonoverstärker C-47 erhalten, und sofort ausgepackt und angeschlossen. Schon der erste Eindruck noch nicht eingespielt und nach 30 Minuten Laufzeit war überraschend. Wie oben schon beschrieben, habe ich seit Januar klanglich nichts vermisst, ganz im Gegenteil: Mit einer guten Analogscheibe über den „The Difference“ als Phonoverstärker ist die Brinkmann Taurus EMT Kombination als Quellgerät die unangefochtene Klangreferenz bei mir.

Nach 3 Tagen Warmlaufzeit und etlichen „durchgenudelten LPs“ zum Einspielen des Accuphase C-47 Phonoverstärkers habe ich endgültig verstanden was so vollkommen neu und anders klingt. Eigentlich wollte ich diesen Text schon gestern beginnen, habe aber statt dessen fünf Stunden Musik gehört. Die schwelgerische Schreibweise der Presseleute liegt mir nicht. Ich versteige mich aber zu der Aussage, daß alles was ich in den über 50 Jahren meines Interesses an HiFi an Quellgeräten gehört habe weit weg von dem war, was ich gestern und heute hören durfte.

Der C-47 spielt wärmer, er lässt auch den letzten Rest von gerade noch wahrnehmbarer „Harschigkeit“ weg. Dabei unterschlägt er nichts, ganz im Gegenteil. Alles ist bis in die feinsten Verästelungen sauber gezeichnet und dabei ist die Dynamik doch gewaltig. Sehr deutlich höre ich es .B., wenn ich meine LP von Fraunhofer Saitenmusik „Gegen den Rhythmus der Zeit“ Seite A Stück 3 „Hoboeckentanz“ auflege (gezupfter Bass, Gitarre und Hackbrett – auf Youtube gibt es ein Video). Noch niemals zuvor habe ich die Töne so klar und sauber gehört. Aber das ist es noch nicht was den Unterschied ausmacht. Man kann die Dimension der Instrumente,den Klangkörper, das Material der Instrumente und die Aura drumherum hören. Plastisch und dreidimensional stehen die Instrumente im Raum, so wie ich es noch nie zuvor wahrgenommen habe. Fast hat man das Gefühl, man könnte die Instrumente in ihrer Ausdehnung sehen.

Ich dachte, daß ich jeden Ton auf meinen besten Analogscheiben absolut exakt kenne. Dem Grund nach stimmt diese Aussage auch nach wie vor, wenn da nicht dieses überdeutliche Mehr an Information und musikalischem Fluss wäre, das ich so noch niemals wahrgenommen habe. Ab und zu brauche ich diese Highlights, um nicht die Lust an HiFi zu verlieren. Dieses Jahr habe ich mit der Anschaffung des Taurus und jetzt mit dem Accuphase C-47 zwei dieser Momente gehabt. Ich höre seit Tagen immer wieder ein paar Musikstücke und bin immer noch fasziniert.


Abhöranlage:

Accuphase PS-530 Netzfilter (nur vor dem Laufwerk und dem Phonoverstärker)
Laufwerk: Brinkmann Taurus mit EMT-Black (ca. 24.500,-)
Phonoverstärker: Accuphase C-47 (9730,-)
Eine Bi-Amp Kombination aus: Vollverstärker Accuphase E-800 (im Mittel-Hochtonzweig) (15.200,-) plus Accuphase A-48 (im Bassbereich) (10.700,-)
Lautsprecher Fischer und Fischer SN-570 (19.800,-) (abweichend von der Serie mit Jensen Ölpapierkondensatoren)
Basslautsprecher MJ Acoustics Kensington (20 - 38 Hz) (4.100,-)
(Preise mit 16% MwSt.)